Jeder Läufer stellt sich irgendwann einer besonders großen Herausforderung in seiner oder ihrer Laufkarriere. Für mich verlief diese Challenge einmal entlang der deutschen Grenze .
Die Routenplanung und Strategie beanspruchten einige Wochen. Schnell stand fest, dass die deutsche Grenze 5.200 km lang ist und dass ich somit jeden Tag ein bisschen mehr als einen Marathon laufen musste, um dieses Mammut-Projekt in 140 Lauftagen bewältigen zu können. Nun, Zweifel hatte ich nie an meinem Erfolg und persönlichen Herausforderungen. Also war das Projekt „Deutschland Umrundung“ geboren!
Ich wollte mit diesem Projekt auch andere Menschen dazu inspirieren, Ihre Komfortzone zu verlassen und zeigen, wie das Austesten der persönlichen Grenze einen nachhaltig positiven Effekt auf einen selbst erwirkt. Ich sag mal so,es hat geklappt.
Der Rückblick nach dem Abenteuer: Meine Reise entlang der deutschen Grenze
Eine Landesgrenze, 120 Marathons und 143 Tagen, – ich bin nicht nur stolz und erleichtert, auf dieses riesige Abenteuer in meinem Leben zurückblicken zu können. Ich bin sogar ein wenig froh, dass dieses herausfordernde Abenteuer es nun inzwischen vorüber ist.
Klar gab es einige Herausforderungen auf den vielen Marathon-Strecken, doch der abschließende Moment in Frankfurt (Oder) war für mich ein physisches als auch ein emotionales Highlight – ein Highlight, das ich ohne mein Durchhaltevermögen nicht hätte genießen können. Die Straßen wurden von der Polizei abgesperrt, und ich konnte mit meinen Begleitern auf einer normalen Verkehrsstraße laufen – ein durchaus surreales Gefühl. Als wir dann die Brücke erreichten, empfing uns eine jubelnde Menge von Zuschauern. Die Handys wurden gezückt, um diesen denkwürdigen Augenblick festzuhalten und es fühlte sich beinahe an wie der Höhepunkt eines Konzerts – einfach super cool.
Am Zielband angekommen, wartete bereits mein Freund, der mich freudestrahlend und emotional umarmte – eine Geste, die angesichts seiner üblicherweise nüchternen Art besonders berührend war.
Grenzen sind zum Testen da – und zum Überwinden
Mein Slogan “Joyce an ihrer Grenze“ trägt eine doppelte Bedeutung. Einerseits zielt er auf mein Laufabenteuer entlang der Grenze ab. Doch er drückt außerdem aus, dass ich nicht aus dem Leistungssport komme und mich einfach ausprobieren möchte. Setzt du diesen Gedankengang fort, soll der Slogan weiterhin verdeutlichen, dass du kein Vollprofi sein musst, um Großes zu erreichen – du musst es nur wollen.
Das Ausloten meiner eigenen Grenzen war eine persönliche Herausforderung, und sie hat mich durch viele Höhen, aber auch Tiefen geführt. Eine besonders unvergessliche und intensive Grenzerfahrung sammelte ich auf einer Bergetappe in Bayern: dort gesellte sich nämlich Todesangst als Wegbegleiter. Der Abgrund unter uns war tief, und jeder Stein, den wir als Halt nutzten, zerbröckelte in unseren Händen. Bei dieser Etappe benötigten wir zweieinhalb Stunden für nur einen Kilometer. Als ich wenige Tage später meinen Marathon mit Magen-Darm-Infekt fortführen durfte, wurden weitere körperliche Grenzen ans Licht gerückt.
Dennoch kamen mir zu keinem Zeitpunkt Gedanken ans Aufgeben. Einerseits, weil ich mit jeder absolvierten Etappe meinem Ziel näher kam. Andererseits, weil ich 12 Stunden täglich für die Strecke hatte. Diese Erkenntnis, gab mir die nötige Flexibilität, die um Herausforderungen mit Ruhe zu meistern. Doch die Reise durch Deutschland brachte mir besonders die Hilfsbereitschaft und Offenheit der Menschen näher. Über 2.000 Menschen begleiteten mich auf den Etappen, und die Begegnungen mit ihnen waren fast noch bewegender als die atemberaubende Vielfalt der deutschen Landschaft – ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle an euch alle!
Eiserner Wille, ja – aber auch gute Planung
Die immensen logistischen Challenges meisterten wir als Team – ein Team , bestehend aus meinem Freund, unserem Golfi (einem alten Golf 4) und mir. Golfi wurde in dieser Zeit zu unserem zweiten Zuhause. Die Rücksitzbank wurde ausgebaut, um ausreichend Platz für meine Schuhe, Kleidung und alles Nötige zu schaffen. Für Verpflegung sorgte mein Freund, indem er alle fünf Kilometer an die Strecke fuhr, um mich zu versorgen. Nebenher sorgte er aber auch dafür, dass die Organisation reibungslos verlief. Die Unterkünfte während der Tour waren vielfältig und reichten von Campingwagen über Couchsurfing bis zu einer Hotel Suite. Die Auswahl war stets von der Kostenoptimierung und der Nähe zum Start- und Zielpunkt des nächsten Tages geprägt.
Mein Durchhaltevermögen wurde zusätzlich durch Pausen gestärkt, sodass ich nach jedem Lauf gezielte Rituale etablierte. Der Besuch eines Restaurants stand direkt danach auf dem Programm, denn sowohl Schlafen als auch die richtige Ernährung sind essenziell für die Regeneration. Zudem gönnte ich mir nachmittags eine Stunde in speziellen Massagestiefeln, während ich mich für euch um meine Social-Media-Kanäle kümmerte. Danach ging es frühzeitig schlafen, um für fit in den nächsten Tag fit starten zu können.
Verrückter war wahrscheinlich, dass nach einem derart extremen Erlebnisschon der Berlin-Marathon und der Köln-Marathon auf meinem Plan standen – aber zu einer weiteren Herausforderung konnte ich natürlich nicht nein sagen. Vor allem der Berlin-Marathon hatte für mich eine besonders hohe Bedeutung, da er in meiner Heimatstadt Berlin stattfand und damit Fixpunkt des Projektes war.
Die körperlichen Anstrengungen während der Deutschland Umrundung waren zu erwarten, aber trotzdem hart. Dieses Projekt verlangte mir auch mental viel ab. Doch nun, da das Abenteuer vorüber ist, blicke ich stolz auf die zurückgelegte Strecke und freue mich auf die kommenden Herausforderungen – bleibt es gespannt!.
Alle Etappen auf einen Blick. Hier kannst du noch einmal nachschauen, wo und wann ich gewesen bin.
Am 01.05.2023 begann meine ambitionierte Tour in Frankfurt an der Oder. Von dort aus ging es dann im Uhrzeigersinn die deutsche Grenze entlang. Zunächst lief ich an der polnischen Grenze entlang, Richtung Görlitz und Zittau. Mitte Mai war dann schon das Erzgebirge an der tschechischen Grenze in Sicht und danach lief ich durch Bayern. Genauer gesagt erwarteten mich die bayrischen Alpen Anfang Juni. Von dort aus ging es für mich über Berchtesgaden und an Garmisch-Partenkirchen vorbei, Richtung Füssen bis hin zum Bodensee.
Ab Basel kam dann eine sehr lange Strecke am Rhein entlang, bis mich mein Weg letztendlich ins Saarland führte. Die Stadt Aachen habe ich dann zur Halbzeit erreicht. Alle weiteren Strecken durch NRW und Niedersachsen bis hoch zur Nordsee hatten dann den Vorteil eines sehr viel flacheren Streckenprofils als die vorigen Berggegenden – eine angenehme Abwechslung. Mitte August erreichte ich dann die dänische Grenze. Bis Anfang September lief ich die Ostseeküste bis nach Usedom ab und die letzten sechs Marathons gingen dann wieder an der polnischen Grenze entlang. Schlussendlich kam ich am 20.9.2023 endlich wieder in Frankfurt (Oder) an – fix und fertig aber super stolz.
Auf dieser Karte hast du alle Etappen auf einen Blick. Hier kannst du noch einmal nachvollziehen, wo ich wann gewesen bin. Du kannst auf die Karten heran zoomen und auf das Männchen klicken. So siehst du alle Details. Hier gibt es dazu noch ein Erklärvideo für dich (hier klicken).
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